Vatersein – Freud und Leid eines frisch gebackenen Papas

vaterseinDie liebe Julie von Puddingklecks hat eine ganz tolle Blogparade gestartet.

Es geht hier darum, auch die Papas mal zu Wort kommen zu lassen. Ihr denkt als Mama hat sich euer Leben vollkommen durch die Geburt eures Sprösslings geändert? Das mag natürlich sein, aber auch der Mann an eurer Seite ist mit dieser neuen Situation konfrontiert. Gerade beim ersten Kind, ist durch das Vatersein nichts mehr wie vorher. Welcher Tag würde sich mehr dafür eignen darüber nachzudenken, als der Vatertag? Deshalb habe ich meinem Göttergatten über das Vatersein mal etwas auf den Zahn gefühlt:

1. Wie hast du die Schwangerschaft deiner Frau erlebt? Wurdest du mit einbezogen?

Leider verlief die Schwangerschaft meiner Frau ziemlich holprig. Im ersten Trimester hatte sie Blutungen, die zu strenger Bettruhe führten. Dann, wir waren gerade in unser Haus eingezogen, ist meine Frau aufgrund eines Hitzeschlages abgeklappt und musste stationär behandelt werden. Ab der 33. Schwangerschaftswoche spitzte sich ihre körperliche Verfassung extrem zu. Innerhalb weniger Tage nahm sie 30 kg zu und sah aus wie ein Michelin-Männchen vor lauter Wassereinlagerungen. Der Blutdruck entgleiste völlig. Diagnose: schwere Präeklampsie. Es hieß also wieder stationäre Aufnahme und kämpfen um jeden Tag, den unser Kind noch nicht geholt werden musste. Meine Frau so zu sehen und die Angst um unsere Tochter, dann noch der Job und der Hausausbau, war für mich eine extreme Belastungsprobe. Ich musste stark sein für uns drei und so oft es ging im Krankenhaus sein. Natürlich auch noch zu Hause die Dinge regeln, die gemacht werden mussten. Dies war psychisch und physisch eine sehr intensive Zeit. Der Kaiserschnitt war für mich dann in gewisser Weise eine Erleichterung. Endlich war unsere Tochter da, sie war gesund und auch der Gesundheitszustand meiner Frau konnte sich von da an extrem verbessern. Ich war also jede Sekunde der Schwangerschaft mit einbezogen, sei es bei gesundheitlichen Themen, dem Geburtsvorbereitungskurs oder der Kinderzimmereinrichtung.

2. Hat sich seit der Geburt deines Kindes etwas geändert?

Es hat sich ganz klar ALLES geändert. Konnte ich früher einfach meine Sachen zusammen packen und raus an den See zum Angeln fahren oder mich eine Stunde vor die Konsole setzen, ist es jetzt nicht mehr so einfach möglich. Das Vatersein erfordert viel mehr Organisation als früher. Möchte ich etwas mit meiner Partnerin allein unternehmen, müssen Termine mit den Omas abgestimmt werden. Brauche ich mal eine Auszeit für mich allein, gilt es auch hier einen Tag zu finden, an dem es für meine Frau auch passt und nicht mit anderen Terminen kollidiert. Es klingt jetzt wahrscheinlich sehr danach, dass man als Papa seine Freiheit aufgibt, aber dem ist denke ich nicht so. Planung ist jetzt einfach das halbe Leben und dann passt das schon. Wenn mich meine Tochter anstrahlt, kompensiert es den vermeintlichen Verzicht definitiv.

3. Was wurde von Kind zu Kind anders?

Da es mein erstes Kind ist, kann ich dazu leider nichts sagen.

4. Was würdest du in Bezug auf dein Kind ändern wollen?

Ich bräuchte mehr Gelassenheit. In manchen Situationen kommt man als frischer Papa schon an seine nervlichen Grenzen. Ganz oft liegt das aber wahrscheinlich an meinem eigenen Anspruch ans Vatersein. Ich möchte natürlich alles bestmöglich machen, denke aber, dass es auch nichts Ungewöhnliches ist, sich hin und wieder auch mal überfordert zu fühlen.

5. Gibt es etwas, was du mit der Erfahrung von heute in der Vergangenheit anders gemacht hättest?

Eigentlich würde ich gar nichts anders machen. Mache ich Fehler? Ganz bestimmt. Diese machen mich aber aus meiner Sicht zu einem besseren Vater. Ich lerne daraus viel über meine Tochter und auch über mich selbst. Diese Erkenntnis hätte ich ja gar nicht, wenn ich die Fehler nicht machen würde 😉

6.vatersein Hat sich die Beziehung zu deiner Frau durch das Kind geändert/ gefestigt/ gelockert?

Die Beziehung hat sich auf jeden Fall geändert. Es geht jetzt eben nicht mehr nur um uns beide, sondern auch um unsere Tochter. Entscheidungen, die wir treffen, treffen wir jetzt auch im Sinne unserer Familie. Wir sind nicht nur ein Paar, sondern auch Eltern. Damit ist die Verantwortung, die auf unseren Schultern lastet anders als vorher. Nichtsdestotrotz versuchen wir uns auch noch als Paar zu verstehen. Auch wenn es nicht immer leicht ist, schaffen wir uns dennoch Freiräume, in denen wir nur für uns sein können. Da wird dann das Thema Kind auch ganz bewusst mal für ein paar Stunden ausgespart. Ich finde das wichtig, um sich auf dieser Ebene nicht aus den Augen zu verlieren.

Unsere Beziehung wurde durch die Geburt unserer Tochter aber auch gefestigt. Ich habe an meiner Frau völlig neue Seiten entdecken können, die ich vorher nicht kannte. Ich genieße es sehr zu sehen, wie liebevoll sie mit unserem Kind umgeht.

7. Wie hast du dir dein Leben als Papa vorgestellt? Inwiefern stimmt es mit der Realität überein?

Ich hatte keine Vorstellung davon, wie das Vatersein sein würde. Es war natürlich eine sehr große Umstellung, als die Kleine dann geboren war. Ich hatte es etwas unterschätzt wie viel Zeit sie doch für sich beanspruchen würde. Papa ist man eben nicht 9 to 5, sondern 24 Stunden. Es gilt also die eigenen Bedürfnisse in der ersten Zeit hinten anzustellen. Teilweise fragte ich mich auch, warum Menschen diese durchaus auch harte Zeit auf sich nehmen, wenn das Kind die Nächte zum Tag macht oder stundenlang durch schreit. Aber jetzt, wo ich mit meiner Tochter beginnen kann zu interagieren, sie in ihrem Gebrabbel zu bestärken oder mit ihr zu spielen, verstehe ich vollkommen worauf es ankommt. Am Ende des Tages ist man total platt, fällt aber dennoch glücklich ins Bett.

8. Was wünscht du dir für dein Kind für die Zukunft?

Ich wünsche mir, dass sie in einem behüteten Umfeld gut aufwachsen kann und aus ihr eine starke und selbstbewusste Persönlichkeit wird. Auch hoffe ich auf Verständnis für ihre Eltern, denn nobody is perfect und wir machen sicher jede Menge Fehler!

9. Was rätst du anderen werdenden Vätern?

Ich rate anderen Vätern für ihre Frauen in der Schwangerschaft da zu sein, sie zu unterstützen und Verständnis aufzubringen. In den ersten Tagen und Wochen mit dem Baby zu Hause, solltet ihr etliches nicht persönlich nehmen und eurer Frau zur Seite stehen, denn es werden seeeeeeeehr viele Tränen fließen!

Ansonsten kann ich nur dazu raten, sich nicht von anderen verrückt machen zu lassen. Jeder muss letztlich seinen eigenen Weg finden. Das geht am leichtest, wenn ihr so viel Zeit wie möglich mit euren Kindern verbringt. Diese Momente des Vaterseins sind etwas ganz besonderes, die ich immer genieße und kann auch nur jedem empfehlen, es auch zu tun.

10. Möchtest du sonst noch etwas loswerden?

Nein, ich denke, es ist alles gesagt.

In diesem Sinne wünsche ich allen Vätern Gelassenheit und Freude mit ihrem Nachwuchs und den Mamis ein gutes Bauchgefühl.

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